Thema: Technik

3D-Kino im Detail

1 Juni 2010

Die Idee, Filme stereoskopisch aufzuzeichnen, ist älter als der Stereoton und auch älter als der Farbfilm. Und einen verzweifelten Versuch der Kinos, mit diesen 3D-Filmen die Leute ins Kino zurück zu locken gab es bereits in den 50ern, als das Fernsehen zum Massenmedium wurde. Die Filme waren bis auf wenige Ausnahmen allerdings leider auch inhaltlich eher leichte Kost und so war der Hype nach wenigen Jahren wieder vorbei und für die teuer umgerüsteten Kinosäle gab es keine 3D-Filme mehr.

Im Jahr 2009 kauften viele Kinos dann wieder die neue, digitale 3D-Technik ein. Und die Filmindustrie hoffte diesmal natürlich auch, dass Raubkopierer die Filme nicht mehr einfach kopieren können. Aber innerhalb kürzester Zeit gab es auch bei 3D-Filmen konvertierte Kopien, die sich mit den klassischen Rot/Grün-Brillen betrachten lassen. Was man sich im Kino auf die Nase setzt funktioniert außerdem auch vor der Kameralinse einwandfrei.

Aber tatsächlich geht der Plan erneut auf: die Zuschauer zahlen die 1-3 Euro höheren Kosten pro Vorstellung in den meisten Fällen. Die Technik ist dermaßen ausgereift und hübsch anzusehen, dass die Qualität der Filme ein weiteres Mal oft in den Hintergrund tritt. Und mit Ausnahme der computeranimierten, wurden bisher auch wenige Filme mit einem echten 3D-Equipment gedreht. Das Ergebnis sind 3D-Filme die an vielen Stellen eben keine oder wenig deutliche Tiefenwirkung bieten.

Trotzdem sieht es diesmal so aus, als könnte das 3D-Erlebnis nicht mehr bis zur nächsten Kino-Krise in der Experimentalnische verschwinden. Die bekannten Hersteller von TV-Geräten haben nämlich fast alle 3D-Geräte für das eigene Wohnzimmer am Start und sogar die ersten 3D-Camcorder sind bald erhältlich. Urlaubs- und Hochzeitsfilme in 3D?


Höchste Zeit also, dass wir uns die aktuelle Kino-Technik einmal ganz genau anschauen:

RealD

Die meisten Kinos in den USA und fast die Hälfte der Kinos in Deutschland verwenden dieses System. Kinofilme werden normalerweise mit einer Bildrate von 24 Bildern pro Sekunde abgespielt. Bei 3D-Filmen liegen 48 Bilder vor: 24 für das linke Auge und 24 für das rechte Auge. Damit man beim Bildwechsel kein Flimmern erkennen kann, werden die Bilder 3x hintereinander angezeigt, also insgesamt 144 Bilder pro Sekunde. Moderne Systeme kommen mit dieser Bildrate klar, sodass in den meisten Fällen nur ein Umbau und kein Austausch des Projektors nötig ist.
Bei dem Umbau wird vor dem Projektor ein LCD-Polfilter installiert, welcher zum Film synchronisiert wird, damit dieser die Bilder links und rechts aufteilen kann. Hierfür werden die Lichtstrahlen jeweils links- und rechtsdrehend polarisiert. Dem menschlichen Auge ist die Polarisation einer Lichtwelle egal, wir sehen keinen Unterschied. Setzt man allerdings eine Polfilterbrille auf, lässt diese mit unterschiedlichen Filtern für beide Augen aber jeweils nur das entsprechende Bild durch und wir sehen ein 3D-Bild. Wer sich nicht selbst so eine Brille besorgt, bekommt im Kino normalerweise eine günstige Einwegbrille. Diese lässt sich bei sorgfältiger Behandlung aber durchaus öfter benutzen.
Die Leinwand wird durch eine nicht schutzlackierte Silberleinwand getauscht. Nur so kann sichergestellt werden, dass bei der Reflektion die Polarisation der Lichtwellen nicht verändert werden. Hier gibt es allerdings auch schon günstigere Alternativen, die ein gleichwertiges Ergebnis liefern.
Durch die starke Bündelung der Lichtstrahlen auf der Silberleinwand ist der Bereich in der Mitte der Leinwand normalerweise deutlich heller als die äußeren Bereiche.
Vorteil der links- und rechtsdrehend polarisierten Lichtwellen ist, dass die Position und Drehung des Kopfes bei einer normalen Sitzposition egal sind.

Dolby 3D

Diese Technik sieht ähnlich aus, funktioniert aber etwas anders als RealD. Vor dem Projektor sitzt ein synchronisiertes, sich drehendes Farbrad. Dieses ändert aber nicht die Polarisation, sondern verschiebt die beiden Bilder für links und rechts jeweils in unterschiedliche Farbräume. Die entsprechende Brille korrigiert diese Farbverschiebung für beide Augen wieder, damit beide Bilder in den korrekten Farben beim Betrachter ankommen. Die Brillen sind nicht zu verwechseln mit den einfachen Rot/Grün-Brillen, denn die Farben entsprechen nach der Filterung wieder dem Original.
Großer Vorteil ist, dass keine spezielle Leinwand nötig ist, denn es werden einfach nur andere Farben projiziert. Und so ist auch hier der Betrachtungswinkel und die Drehung völlig egal.

Die Herstellung der Folien für die Brillen ist allerdings wesentlich aufwändiger, sodass normalerweise wiederverwendbare Brillen eingesetzt werden, die besonders pfleglich behandelt werden müssen. Das mechanisch drehende Rad ist außerdem anfälliger als der bei RealD verwendete LCD-Polfilter.

XpanD

Hier werden Shutterbrillen verwendet, wie sie auch normalerweise bei Spielen für Computer und Konsolen eingesetzt werden. Die Brillen besitzen eine Elektronik, die abwechselnd den Bereich für das linke bzw. rechte Auge abdunkelt. Die Synchronisation mit dem Projektor, welcher dann ebenfalls nacheinander das Bild für das linke und das rechte Auge liefert, erfolgt mit nicht sichtbaren Infrarotstrahlen im Kinosaal.
Weder Projektor noch Leinwand müssen hier umgebaut werden.
Die Brillen sind allerdings die teuerste Variante und durch den Akkubetrieb wartungsbedürftig. Der ständige Wechsel zwischen hell und dunkel ist für die Augen außerdem sehr anstrengend.

MasterImage

Genau wie bei RealD werden hier links- und rechtsdrehend polarisierte Lichtwellen erzeugt. Allerdings nicht mit einem LCD-Polfilter, sondern einem drehenden Rad wie bei der Dolby3D-Technik.
Im Gegensatz zu RealD fallen hier vor allem keine Lizenzkosten an. Die Polarisation der linken und rechten Bildinformation wurde vertauscht, damit die Brillen nicht zu RealD kompatibel sind.
Die Anfälligkeit des drehenden Filters ist auch hier ein Nachteil und aufgrund der gleichen Technik ist auch hier eine silberbeschichtete Leinwand nötig.

Doppelprojektion

Wie bei RealD werden hier unterschiedlich polarisierte Bilder gezeigt. Nur werden diese jeweils für das linke und rechte Auge von einem separaten Projektor geliefert.
Hierfür müssen die Projektoren synchronisiert werden, was technisch etwas aufwändiger ist als bei digital gesteuerten Filtern oder Farbrädern. Bei der Wiedergabe von 35mm-Film, also nicht-digitalem Material, entsteht ein zusätzliches Problem: durch den Bewegungsspielraum der Filmstreifen in den Projektoren bewegen sich die beiden Bilder jeweils etwas gegenläufig, was zu einem unruhigen Bild führt. Die meisten Systeme dieser Art bieten außerdem keine zirkular, sondern horizontal und vertikal polarisierte Lichtwellen. Für die perfekte Darstellung des Bildes muss also der Kopf gerade gehalten werden. Eine Silberleinwand ist ebenfalls nötig.


Nicht alle sind von der 3D-Technik begeistert. Kritiker führen immer wieder an, dass einigen Zuschauern schlecht wird. Das liegt dann aber ausnahmsweise nicht an der Qualität der Filme. Der räumliche Eindruck auf der großen Leinwand spielt dem Gehirn etwas vor, was gar nicht geschieht: Bewegung. Die vorgetäuschte räumliche Tiefe, ohne dass das Auge auf einen selbst bestimmten Bereich scharf stellen kann verstärkt das Problem noch. Das Gehirn merkt, dass da etwas nicht stimmt und wer anfällig für die Reisekrankheit (Kinetose) ist, der schafft oft auch keinen Spielfilm über die ganze Länge ohne dass die bekannten Symptome auftreten.

Auch die Produktionskosten werden als Problem gesehen. Produktionen, die nicht nachträglich für die 3D-Darstellung bearbeitet wurden, sondern mit zwei synchronisierten Kameras gedreht wurden sind selbstverständlich auch um einiges teurer. Das sind zusätzliche Kosten, die langfristig vielleicht nicht von den Zuschauern getragen werden. Möglicherweise werden durch den 3D-Hype auch inhaltlich viel bessere, zweidimensionale Filme derzeit vom Markt gedrängt.

Im nächsten Teil dieser 3D-Serie geht es um die Technik bei Fernsehgeräten.